

EMDR Behandlung
(Eye Movement Desensitization and Reprocessing)
Diese Psychotherapiemethode wurde ursprünglich von Dr. Francine Shapiro (USA) entwickelt.
Was bedeutet EMDR?
Unser Gehirn macht im Laufe unseres Lebens viele Erfahrungen, sowohl positive als auch negative. Während unser Bewusstsein oft nur einen kleinen Teil davon erinnert, bleibt jede dieser Erfahrungen im Gehirn gespeichert.
So können belastende Erfahrungen - bewusst oder unbewusst - auch heute noch eine große Rolle spielen. In Situationen, die unser Gehirn mit einer früheren Belastung verknüpft, sorgen sie dann für aktuelle Schwierigkeiten.
Mithilfe von EMDR können diese Belastungen in einer ausführlichen Anamnese aufgespürt werden, und mittels beidseitiger Sinnesreizungen (geleitete Augenbewegungen, Antippen der Beine etc.) verarbeitet werden. Die Integration belastender oder in manchen Fällen auch traumatischer Erfahrungen wird in Gang gebracht und zu Ende geführt.
Zusätzlich steht die Stabilisierung und Stärkung der KlientInnen bei dieser Methode stark im Vordergrund. Das eröffnet die Möglichkeit, sich auslösenden Ereignissen zu widmen, ohne von den negativen Emotionen überflutet zu werden.
Wirkung wissenschaftlich gut belegt
Die Wirksamkeit von EMDR wurde bereits in zahlreichen Studien bestätigt. Vor allem für die Behandlung Posttraumatischer Belastungsstörungen (PTBS) ist die Methode wissenschaftlich gut untersucht, es zeigt sich, dass Behandlungsresultate schneller und nachhaltiger erfolgen. In den letzten Jahren kommt EMDR auch bei vielen anderen Beschwerden zum Einsatz. Allgemein gilt, dass bei psychischen Beschwerden, bei denen irgendeine Art von traumatischen Erlebnissen zugrunde liegen kann wie z.B. ein Unfall, Todesfall, Gewalt, schwierige Kindheit etc. - eine Behandlung mit EMDR sehr angezeigt ist. Während für diese Behandlungen grundsätzlich gilt: je früher desto besser, können ebenso Erlebnisse verarbeitet werden, die bereits Jahrzehnte zurück liegen, man geht dann von einer längeren Behandlungsdauer aus.
Weitere Infos dazu von der Österreichischen Fachgesellschaft für EMDR (Folder "Was ist EMDR").
Fallbeispiel:
Herr M. hatte in Beziehungen immer wieder dieselben Schwierigkeiten – nach einer kurzen Phase starker Verliebtheit fühlte er sich in Gegenwart seiner Partnerinnen nicht mehr wohl. Er fühlte sich eingesperrt – wie in einem Gefängnis. Nach einiger Zeit beendete er seine Beziehungen jedes mal, im Glauben, er hätte immer die falschen Frauen erwischt. Irgendwann wurde ihm klar, dass es immer wieder dasselbe Muster war. Erklären konnte er es sich nicht.
Da es sein tiefster Wunsch war, Familienvater zu werden und eine glückliche Beziehung zu führen, er selbst aber nicht mehr weiter wusste, beschloss er schließlich doch eine psychologische Beratung aufzusuchen – obwohl ihm dies anfangs als „ganzer Kerl“ eigentlich widerstrebte.
Auf Empfehlung landete er bei mir zur EMDR - Behandlung. Nach ausführlicher Anamnese, bei der ich mir ein Bild über die aktuelle Situation und die bisherige Geschichte machte, stellte sich heraus, dass es bei Herrn M. eine Reihe von sehr belastenden, unverarbeiteten Ereignissen in der Kindheit gab. Im Vordergrund standen viele Erlebnisse mit seiner dominanten, manipulativen Mutter, die ihm vor allem in der Pubertät jegliche Freiheit absprach. Anders als bei einem einmaligen belastenden Ereignis, waren bei Herrn M. Behandlungssitzungen über ein paar Monate angezeigt, in denen nach und nach die mit den Schwierigkeiten verknüpften Erinnerungen – also die belastendsten Ereignisse, die als Ursache zugrunde liegen, mit der EMDR Technik verarbeitet werden.
Sitzung für Sitzung konnten negativ abgespeicherte Erinnerungen verarbeitet werden. Während diesen Sitzungen kamen Erkenntnisse, neue Bilder, starke Emotionen wie v.a. Wut aber auch Angst, sowie Körpergefühle auf. Der Weg war sehr intensiv, jedoch fühlte sich Herr M. gut begleitet und konnte deshalb gut mit allem umgehen, das hochkam. Er hatte zudem von Beginn an das Gefühl, am richtigen Weg zu sein.
Erkenntnisse, die Herr M. im „Prozess“ selbst für sich entdeckte – wie z.B. dass es in Ordnung ist, in einer Beziehung zu sein und trotzdem immer wieder seinen persönlichen Bedürfnissen nachzugehen, und dass Konflikte nicht das Ende sondern ein Teil von Beziehung sind, wurden gemeinsam besprochen und integriert.
Nach kurzer Zeit konnte Herr M. bereits erste Veränderungen in seinem Privatleben in Form anderer Gefühle und Gedanken verzeichnen, nach einigen Monaten erstmals in einer Beziehung leben und sich dabei nicht „gefangen“ fühlen, sondern das Gefühl von Geborgenheit kennenlernen.